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6.2 Biographie (Vita)

Vorbemerkung:  Eine Biographie kann in verschiedenen Kontexten erforderlich sein.  Im Folgenden konzentriere ich mich auf den Fall der Bewerbung eines Werkes bei einem Verlag oder einer Agentur.  In dieser Situation ist die grammatische Formulierung (dritte Person, s. u.) der einzelnen Aussagen nicht so wichtig, da es mehr um den Informationsgehalt geht.

Daneben gibt es aber auch den Fall, dass ein Verlag schon zugesagt hat und nun der Veröffentlichung des Werkes auch noch eine Biographie der Autorin oder des Autors beifügen möchte.  Diese Art von Biographie wird immer in der dritten Person verfasst (Sie/er hat seit 2010 …), daher sollte man seine Biographie auch immer gleich entsprechend formulieren, auch wenn es einem komisch erscheint.  Es erleichtert dem Verlag die Arbeit, da nichts mehr umformuliert werden muss.

Die Biographie der Autorin oder des Autors wird auch sehr häufig bei Bewerbungen gefordert.  Der Verlag möchte darüber eine weitere Information erhalten, die ihm sagt, ob mit dieser Autorin oder diesem Autor ein Profit zu erwarten ist.  Die Biographie kann auch einen Hinweis auf die Professionalität der zu erwartenden Kooperation geben.

Wenn jemand schon mehrere Bücher veröffentlicht hat, schon Jahre in einem Verlag gearbeitet hat oder Professorin für Germanistik ist, ist mit einer grundsätzlich anderen Zusammenarbeit zu rechnen als bei einem Katzenbesitzer, der seit zehn Jahren arbeitslos ist und die Zeit genutzt hat, um einen Katzen-Horror-Roman zu schreiben.

Zum einen gibt das also dem Verlag einen Hinweis, ob von dieser Autorin eine gewisse Qualität zu erwarten ist, und andererseits, ob dieser Autor sich gut vermarkten lassen wird (wenn die Biographie als Marketingmittel taugt), und zum Dritten, wie einfach die Zusammenarbeit sein wird.


Aus unserer Sicht (Autorin/Autor) ist die Biographie wieder ein Mittel, um unser Manuskript zu verkaufen, diesmal, indem wir so gut wie möglich verdeutlichen, dass die Erstellung des Manuskripts Hand und Fuß hat, dass wir uns gut vermarkten lassen werden (z. B. dass wir die Öffentlichkeit in Form von Lesungen nicht scheuen) und in Zukunft noch mehr zu erwarten ist (weitere erfolgreiche Werke).

Auch für die Biographie gilt:  Sie soll einen Eindruck vermitteln.  Vollständigkeit ist nicht gefragt (meist wird ohnehin eine Kurzbiographie oder Kurz-Vita angefordert).

Daher sollten in der Biographie in absteigender Priorität folgende Dinge aufgeführt werden:

  1. Titel und Verkaufszahlen früherer Veröffentlichungen bei Verlagen.
  2. Titel und Verkaufszahlen früherer Veröffentlichungen im Selfpublishing.
  3. Persönliche Informationen, die konkret das beworbene Buch betreffen oder sich sicher verkaufsfördernd auswirken werden.
    Er war drei Jahre in Kabul stationiert, und dort spielt auch das Buch.
    Sie ist die Ex-Frau von Dieter Bohlen.
  4. Persönliche Informationen, die das Schreiben allgemein betreffen.
    Er ist der Sohn der berühmten Autorin und Redenschreiberin XY.
    Sie hat einen Preis beim Kurzgeschichtenwettbewerb XY gewonnen.
    Eventuell auch solche Sachen, wenn das noch nicht zu lange her ist:
    Sie hat als Jugendliche in der Schülerzeitung Geschichten und andere Beiträge veröffentlicht.
  5. Bildung, literaturbezogen.
    Sie hat Germanistik studiert.
    Er hat Schreibkurse bei XY besucht.
    Er arbeitet seit zehn Jahren im XY Verlag.
    Sie ist Illustratorin für Kinderbücher.
  6. Sonstige Bildung.
    Er hat Sozialpädagogik studiert und arbeitet seit zehn Jahren in einer Einrichtung für vernachlässigte Jugendliche.
    Sie ist Schreinermeisterin.
  7. Familiensituation
    Er ist ledig / wohnt mit drei Kindern und seinem Freund zusammen / betreut seine alte Mutter / …
  8. Ausweichformulierungen.
    Sie wohnt in Berlin.
    Sie spielt leidenschaftlich gerne Fußball.
    Er ist literarisch unvorbelastet.

Man sollte diese Punkte durchgehen und alles sammeln, was auf einen zutrifft, bis man genügend zusammen hat.  Wer schon zehn Bücher veröffentlicht hat, muss seine Bildung nicht unbedingt nennen (und sollte das auch nicht unbedingt, wenn sie nichts mit Schreiben zu tun hat).  Stattdessen kann so jemand auch zusammenfassen.  (Aber so jemand muss auch diesen Text hier nicht mehr lesen.)

Die Reihenfolge der Punkte ist nur eine grobe Orientierung.  Die Tochter von Günter Grass sollte ihren Vater vermutlich noch vor allen Veröffentlichungen erwähnen, und der Sohn vom unbekannten Perry-Rhodan-Autor muss seinen Vater nicht unbedingt erwähnen.  Andere Punkte können in konkreten Fällen entsprechend auch unterschiedlich angeordnet werden.


Als Anfänger hat man bei den obersten Punkten natürlich nichts zu bieten.  Wenn auch weiter unten nichts Brauchbares ist, würde ich empfehlen, nur ein, zwei Punkte aus der letzten Kategorie zu nennen.  Das ist für beiden Seiten besser, als wenn man den Verlag mit unpassenden Dingen irritiert (Er ist jeden Samstag im Café Kordoba in der Risaer Straße, wo er immer die Leute beobachtet und sich zu seinen Geschichten inspirieren lässt).

Es ist auch nicht schlimm, wenn die Biographie nichts zu bieten hat.  Dann hat der Verlag dort halt keinen brauchbaren positiven (aber auch keinen negativen) Hinweis und wird Exposé und Leseprobe unvoreingenommen betrachten.

Null-Aussagen

Sehr oft liest man in Biographien Aussagen wie die folgenden:

  • Geschrieben hat sie eigentlich schon immer.
  • Er liest unheimlich viel.
  • Schon als Kind wollte sie Schriftstellerin werden.

Die sagen so wenig aus und sind so weit verbreitet, dass sie jeden Verlagslektor langweilen.


Nächster Abschnitt:  6.3 Anschreiben

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