4.3 Rückblicke ← Die Sprache der Erzählung

4.3 Rückblicke (Perfekt)

Wenn in Geschichten etwas berichtet werden soll, dass vor dem aktuellen Zeitpunkt geschehen ist, nennt man das einen Rückblick.  Um sie sprachlich zu formulieren wird eine andere grammatische Zeitform gewählt.

Tomas kam in sein Arbeitszimmer und ließ sich in den Chefsessel hinter dem Schreibtisch fallen. Er vergrub das Gesicht in den Händen. Vor weniger als einer Stunde hatte er diesen schrecklichen Autounfall beobachtet. Zwei Menschen waren gestorben, und er hatte es mitansehen müssen.

In dieser Erzählung im Präteritum (kam, ließ, vergrub) wird in das Plusquamperfekt gewechselt (hatte … beobachtet, waren gestorben, hatte … müssen), wenn ein Rückblick erfolgt.  Bei einer Erzählung im Präsens (kommt, lässt, vergräbt) wird für einen Rückblick ins einfache Perfekt gewechselt (hat … gesehen, sind gestorben, hat … müssen):

Tomas kommt in sein Arbeitszimmer und lässt sich in den Chefsessel hinter dem Schreibtisch fallen. Er vergräbt das Gesicht in den Händen. Vor weniger als einer Stunde hat er diesen schrecklichen Autounfall beobachtet. Zwei Menschen sind gestorben, und er hat es mitansehen müssen.

Bei Geschichten im Präsens kann man für einen Rückblick auch in das Präteritum (kam, s. u.) wechseln.  Das wird vor allem genutzt, wenn der erwähnte Umstand lange in der Vergangenheit liegt und eine eher statische Natur hat.

Tomas kommt in sein Arbeitszimmer und nimmt die Kanne aus der Kaffeemaschine gleich mit zu seinem Schreibtisch, wo er seinen Pott wieder vollgießt. Sein Vater war nur Arbeiter, doch Tomas ist Firmenchef, und entsprechend gebärdet er sich auch.

Der Status seines Vaters ist keine wirklich Handlung, daher passt das Präteritum in diesem Fall.  Sobald der berichtete Umstand des Rückblicks eine gewisse Dynamik entwickelt, macht sich aber das Perfekt besser:

Tomas kommt in sein Arbeitszimmer und nimmt die Kanne aus der Kaffeemaschine gleich mit zu seinem Schreibtisch, wo er seinen Pott wieder vollgießt. Sein Vater hat die Firma gegründet und aufgebaut, doch richtig gewachsen ist sie erst unter Tomas’ Führung.

Es gibt keine eindeutigen Regeln dafür, wo in Präsenserzählungen besser Präteritum und wo besser Perfekt genutzt wird.  Da ist Sprachgefühl gefragt, und schlussendlich ist es oft auch Geschmackssache.


Nächster Abschnitt:  4.3.1 Lange Rückblicke (Perfekthäufungen)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen


Fragen zum Thema? Ist ein Fehler auf dieser Seite? Bitte melden! Sonstige Hinweise? Kritik? Lob?
Jeder Kommentar ist willkommen!